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Auch nach Corona?

Auch nach Corona?

Regional einkaufen, kleine und mittlere Betriebe unterstützen, beim Bauer nebenan die Milch holen – in Zeiten von Corona für viele das einzig logisch zu tun. Uns allen wird bewusst, wie wichtig Nahversorger sind, welche Qualität unsere kleinstrukturiere Landwirtschaft hat. Regional Einkaufen ist in.

Auf dieses Umdenken warte die heimische Landwirtschaft schon lange. Hat die Corona-Krise also auch eine positive Seite für unsere Landwirtschaft? Der Frühling kommt unbeirrt, Kühe geben weiter Milch, Kälber trinken und wachsen fleißig weiter. Und schon haben wir das Problem. Da die Gastronomie komplett ausfällt, fehlt auch ein großer Absatzmarkt von Milch und Fleischprodukten.

Doch landwirtschaftliche Produktion kann nicht einfach abgestellt werden. Bereits jetzt rufen Sennereien dazu auf, weniger Milch zu liefern. Tiere werden länger gemästet, Betriebe die ihre Kälber bisher mit Milchaustauscher getränkt haben, stellen auf Vollmilch um. Doch nach 4 bis 6 Monaten ist das Kalb schlachtreif.

Die Lieferanten der Genossenschaft Metzgerei Naturpark Nagelfluhkette tränken ihre Kälber aus Überzeugung ganzjährig mit Vollmilch. Ein schlachtreifes Kalb hat in seinem Leben ca. 1000-1300 Liter Milch getrunken. Das sind je nach Sennerei 500-700 € Milchgeld. Kosten für den Stall, Stroh und die Arbeitszeit nicht miteinberechnet. Eine faire Bezahlung für die Landwirte hat sich die Metzgereigenossenschaft zur Aufgabe gemacht. Dementsprechend haben ihre Qualitätsprodukte ihren Preis.

Doch genauso wie anderen Metzgereien stellt die Corona-Krise, das erst vor 4 Monaten eröffnete Geschäft, vor große Herausforderungen. Der neue Lieferservice wird bisher gut angenommen, trotzdem ist der Absatz stark zurückgegangen und es mussten bereits Schlachttermine für Kälber abgesagt werden. GF Magdalena hat mit einem Lieferanten gesprochen, wie er mit der Situation umgeht. Die Antwort im Moment ganz simpel, er tränke seine 8 Stierkälber weiter. Ihm liegt das Tierwohl am Herzen, auf eine weite Reise schickt er sie sicher nicht. Aber was dann?

Mehr Kälber mit Vollmilch zu tränken ist also nur Teil der Lösung. Wenn heimische Metzgereien keine Tiere mehr annehmen können, da der Absatz fehlt, fällt der Kälberpreis wieder auf ein neues und Kälbertransporte können wohl kaum vermieden werden.

Doch Corona geht vorbei, Märkte werden wieder öffnen, die Hotel- und Gastronomie wird ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Und alles ist wieder gut? Die Entwicklungen die gerade vor sich gehen, könnten eine riesen Chance für die heimische Landwirtschaft sein. Eine junge Generation an Landwirten ist bereit umzudenken und neue Wege zu gehen. Aber dafür brauchen sie auch nach der Corona-Krise eine bewusste Käuferschaft und den Rückhalt aus der Bevölkerung. Halten wir zusammen! – auch nach Corona.

Gedanke von GF Pia Nenning